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antville.org
 Tuesday, 6. March 2001 

Heute: Wie Peter Praschl das affektiv-affirmative Linken zum lästigen Bloggerzirkel-Phänomen erklärt und dabei Ziel einer affektiv-affirmativen Link-Orgie wird. What happen? Na gut, gleich vorweg, die rituelle Sympathiebezeugung von A nach B und zurück von B nach A nervt wirklich. Aber kann es sein, dass unsere Ratio da etwas wichtiges ausblenden möchte? Dass das interessante an Weblogs doch nicht nur deren Inhalt ist, und ob er jetzt von Profis oder Amateuren oder Jesuitenmönchen kommt?

Walter Ong schreibt in "Oralität und Literalität" (1982): "Mehr als jede andere Erfindung hat das Schreiben [auf feste Gegenstände, Hns] das menschliche Bewußtsein verändert. Das Schreiben ermöglicht das, was man "kontext-freie" Sprache oder "autonomen" Diskurs nannte, einen Diskurs also, der nicht wie die orale Rede befragt oder angefochten werden kann, weil er sich nämlich von seinem Autor unabhängig gemacht hat."

McLuhan sprach in dem Zusammenhang von der Fähigkeit zu "agieren, ohne zu reagieren", die der Mensch mit dem Alphabetentum erworben hat.

Peter Praschl ist quasi das Paradebeispiel des "literarisierten Menschen". Er ist gewöhnt, hinter seine (meist verdammt guten) Texte zurückzutreten und sie für sich selbst sprechen zu lassen. Zu einem gewissen Grad trifft das auf uns alle zu: wir sind gelernte Papierleser und -schreiber. Das Web aber und Weblogs im besonderen bringen Eigenschaften mündlicher Kommunikation zurück ins Schreiben: Fluss, Lokalität (url), Bezugnahme (href) und eben gegenseitiges Wahrnehmen. Vielleicht ist das revolutionäre (und für viele unheimliche) an Weblogs deshalb letzendlich doch nicht, dass jetzt alle Literaten und Journalisten werden, sondern dass der "watercooler talk" ab sofort weltweit ausgetragen wird.

Kathrine Kveim: The World Wide Web - an instance of Walter Ong's Secondary Orality?

Chris meint Lucene und Hop wären ein nettes Paar. Shit yes!

Classpath.de und Jim Roepcke entdecken Hop.

Henso-Jutsu: Die Kunst der Täuschung.

Grossartiger Artikel über Disturbing Search Requests bei Village Voice. Gibt es eigentlich ein Best-of-DSR?


 chris , 6. March 2001 gegen 13:07 

Henso-Jutsu! Das erklärt so manches ;-)

 chronistin , 6. March 2001 gegen 15:16 

Gut gebrüllt, hns! hätt ich selber gerne so ausgedrückt...

 mkt , 6. March 2001 gegen 16:42 

jaja. seit tagen wart ich schon darauf, wie deine archivloesung ausschaun wird. oder willst du einfach nur viel zum scrollen lassen - so a lá klopapier?

also: mach mal!

 hns , 6. March 2001 gegen 16:51 

Manno Klaus, du bist ja fixiert. Ich will noch keine "Archivlösung", dazu bin ich zu jung.

 chris , 7. March 2001 gegen 2:21 

hm, hm, hm ... bezüglich "lästigem blogger-zirkel": ich frag' mich schön langsam, ob dieses phänomen nicht schön schnell ins reich der fabelwesen und märchenprinzessinen heimzuschicken ist. mir ist solchgestaltiges nämlich kaum einmal untergekommen (und "lästig" impliziert hier, nehme ich an, eine gewisse repetitivität des auftretenden). ein geist, den jeder kennt und kaum wer je sah? ansonsten: delicious food for thought, thank you!

 h_h , 7. March 2001 gegen 3:13 

auf unserem eurobauernhof wird ja - mit dem einverstaendnis aller beteiligten - der themenbezug relativ rigoros vollzogen (high-five fuer fanschreibe). spezialistentum (form zu inhalt, viceversa, form , inhalt) kann ich mir weder im bezug auf weblogs, noch auf musik unterstellen.

und das pferd, auf dem ich reite, schlaeft bestimmt nicht in meinem bett.

 p3k , 7. March 2001 gegen 10:15 

oh doch. und: und ob! weitverbreitetes spezialistentum in der weblogwelt. frag mal nicht-blogger, ob die backlinks oder templates kennen (manila kennen sie vielleicht wirklich). und "der country in der elektronik" ist wohl auch eher ein spezialfall, ist es nicht?

jetzt aber nicht falsch verstehen, bloß weil ich widerspreche: das ist ja gerade das schöne daran: lauter nischen und ich such mir aus, welche mich interessieren. die pippi langstrumpf strategie. rechts liegen (weil links sind die links) lasse ich alles andere.

zum begriff "link-orgie" fällt mir übrigens nur ein, dass ich keinen schimmer habe, wieviele blogs insgesamt dem praschl-artikel ihre referenz erwiesen haben (warum sollte ich?)...

"worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schreiben."
– blogger-schlaumeierei.

Geschichten aus dem Holzfällerhemd

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